„Meine Motivation war das perfekte Experiment“

„Meine Motivation war das perfekte Experiment“

Hartmut Schröder (77) kennt das Max-Planck-Institut seit seiner Jugend. Vor gut 44 Jahren wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter. Kurz darauf gründete man das MPQ. Schröder baute die ersten Arbeitsgruppen am MPQ mit auf. Heute ist er immer noch aktiv am Institut. Hier erinnert er sich, wie alles angefangen hat und erzählt wie sich die Zeiten geändert haben.

Du hast immer Verbindung zum Max-Planck-Institut für Quantenoptik gehabt. Kannst Du uns von Deinen Anfängen erzählen?

Ich habe an der TUM studiert und promoviert. Im Januar 1978 wurde ich wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Projektgruppe für Laserforschung bei Karl Ludwig Kompa. Das Team gehörte damals noch zum Institut für Plasmaphysik. Für uns bedeutete das einige extra freie Tage, einen kostenfreien Werkbus und eine eigene Bildstelle für die Anfertigung von Dias. Damals wurden Manuskripte noch im Sekretariat eingetippt und Diagramme auf einer Zeichenmaschine erstellt. Zu jedem Labor gehörten, ein Techniker, ein Experiment und ein Ziel.

Und wie war das mit den Anfängen des MPQ?

Nach positiver Begutachtung unserer Arbeit am IPP wurde das Max-Planck-Institut für Quantenoptik ausgegründet. Am Anfang waren wir etwa 30 Wissenschaftler und eine Wissenschaftlerin, die das Institut aufbauten. Ich hatte das große Glück eine der zwei noch freien, permanenten Wissenschaftlerstellen, zu erhalten. Wesentliche Bausteine für die Gründung des MPQ waren damals die Forschung von Prof. Karl Ludwig Kompa an der Iod-Laser Technologie, sowie der Laserfusionsforschung von Prof. Siegbert Witkowski. Ebenso forschte man auch an intensiven CO2 Laser. Daran war auch Ernst Fill beteiligt, der ja immer noch in unserer Gruppe aktiv ist.

Wie war Deine Entwicklung in der Forschung. Haben Sich Deine wissenschaftlichen Interessen über die Jahre verändert?

Ich habe in den unterschiedlichsten Disziplinen gearbeitet. Ich habe mich Oberflächenphysik, mit Laseranalytik und vielen Grundlagenexperimenten beschäftigt. Meine Motivation war aber immer die gleiche: Das perfekte Experiment. Mir ging es eher um die Methodik, aus der sich klare Naturerkenntnisse gewinnen lassen, als um Erkenntnisgewinn mit verschiedenen Methoden.

Kannst Du uns ein Beispiel in die Arbeitsweisen von damals geben?

Anfang der 80er Jahre ging es auch um Hochleistungslaser. Hierfür musste erst eine Kondensatorbank aufgeladen werden. Man schaffte wenige Schüsse pro Tag. Pulsdauer im Bereich von Mikrosekunden, Energie im 100 Joule Bereich. Damit schoss man auf Röntgenpapier und erhielt wunderbare imposante Brennflecke.

In 44 Jahren hat sich viel getan. Was waren aus Deiner Sicht die größten wissenschaftlichen Erkenntnisse, die man am MPQ gewonnen hat?

Das MPQ hat sehr viel zum Erkenntnisgewinn in der Quantenwelt beigetragen. Bei der Gewichtung der Erkenntnisse möchte ich mir aber kein Urteil anmaßen. Zudem gibt es noch einige anderen wichtige Errungenschaften: Es wurde viel neues Lehrbuchwissen generiert, es gab hervorragender Beiträge in der Entwicklung der Laser-Technologie und vor allem zur intellektuellen Infrastruktur über die umfangreiche Ausbildungsarbeit.

Wie hat sich die Forschungslandschaft von damals im Vergleich zu heute verändert?

Das Arbeiten mit chemischen Stoffen, mit den Lasern und anderen Gefahren war etwas unbekümmerter. In vielen Labors wurde sogar noch geraucht. Thema meiner Doktorarbeit war der Nachweis von kleinen Absorptionsänderungen. Da bewegten wir uns noch in anderen Dimensionen als heute. Nanosekunden waren extrem kurze Zeiträume und Sensitivität maß man im Prozentbereich. Heute bewegen wir uns in Attosekunden und im 1/1010 Prozentbereich.

Da es noch kein Internet gab, verbrachte man viel Zeit in der Bibliothek. Man las Zeitung, um zu erfahren, was die anderen machen. Seinen wissenschaftliche Wert erfuhr man meist darüber, ob andere Wissenschaftler Sonderdrucke der eigenen Arbeiten anforderten. Auch habe ich den Eindruck, dass heute das Forschen viel verschulter geworden ist, aber auch deutlich internationaler.

Du bist ein alter Hase im Geschäft. Was würdest Du Physikstudenten von heute raten, wenn Sie eine wissenschaftliche Laufbahn anstreben wollen?

Wenn man sein Physikstudium abgeschlossen hat, dann hat man bestenfalls einen groben Überblick über die Disziplin. Die Physik ist einfach viel zu mannigfaltig, als dass man sie in ein paar Jahren Studium komplett erfassen kann. Das ist aber eine gute Chance für den Nachwuchs. Man kann an Problemstellung sehr unvoreingenommen herangehen. Macht es einem dann Spaß, Neues zu entdecken und immer weiter Fragen an die Natur zu stellen, dann sollte man ein Leben als Forscher in Erwägung ziehen. Für eine wissenschaftliche Laufbahn braucht man aber Leidenschaft und Leidensfähigkeit, dazu auch etwas Glück. Und schließlich sollte man sich einer Gruppe anschließen, die als Professorenschmiede bekannt ist.

Interview: Thorsten Naeser

Quelle: Attoworld.com, 05.03.2022

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