In Gedenken an Peter Toschek

Einen Pionier der Quantenphysik und Laserspektroskopie

Wir, das Max-Planck-Institut für Quantenoptik, gedenken Prof. Dr. Peter Toschek, der am 25. Juni 2020 im Alter von 87 Jahren in Hamburg verstorben ist. Er war ein Pionier der Quantenforschung und Laserspektroskopie und Doktorvater des MPQ-Direktors und Nobelpreisträgers Theodor Hänsch. Beide Physiker blieben sich über 50 Jahre in Freundschaft verbunden, und Peter Toschek weilte mehrfach als geschätzter Gast am MPQ.

Peter Toschek

Peter Toschek gelang es als Erstem, einzelne gefangene Ionen in Paulfallen zu fotografieren und die Laserkühlung solcher Ionen zu demonstrieren. Bei der Erforschung der Physik kalter gefangener Ionen beobachtete er früh anfänglich überraschende Quantensprünge. Er erkundete den Quanten-Zeno Effekt mit tiefgehenden Untersuchungen. Bei Experimenten zur Laserkühlung von Ionen-Ketten beobachtete er als Erster quantisierte kollektive Schwingungsmoden. Solche Schwingungsmoden erlauben die Realisierung von Quantengattern für skalierbare Quantencomputer, wie 1994 von Ignacio Cirac und Peter Zoller erkannt. Mit ihren Arbeiten haben Peter Toschek und sein Hamburger Team die Grundlagen für viele heute wichtigen Aspekte der Quantentechnologie geschaffen.

Peter Toschek studierte Physik an der Universität Göttingen und an der Universität Bonn, wo er 1961 bei Wolfgang Paul promovierte. Im Jahr 1968 wurde er in Heidelberg habilitiert und dort 1972 zum Professor berufen. Bereits als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Angewandte Physik der Universität Heidelberg gründete er 1963 die erste deutsche Forschungsgruppe für Laserspektroskopie. 

Zu dieser Forschungsgruppe in Heidelberg gehörte auch Theodor Hänsch, zunächst im Rahmen seiner Diplomarbeit und später während seiner Doktorarbeit, wo er 1969 bei Peter Toschek promovierte. Gemeinsam erarbeiteten sie die Grundlagen der Doppler-freien Laserspektroskopie. Für Professor Hänsch war seine Diplomarbeit eine prägende Zeit, in der er erstmals die Möglichkeit bekam in der Spektroskopie mit Lasern zu arbeiten – zu einer Zeit, in der man einen Laser noch von Grund auf selber bauen musste. Peter Toschek stellte an sich und andere sehr hohe wissenschaftliche Ansprüche, und er verfügte über ein enormes Wissen, lange bevor es Google oder Wikipedia gab.

1981 wurde Peter Toschek als Professor an den Fachbereich Physik der Universität Hamburg berufen, wo er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1998 tätig war und 1989/1991 mit Günter Huber das Institut für Laserphysik gründete.

1990 erhielt Peter Toschek den Robert-Wichard-Pohl-Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG).  Und im Jahr 2015 zeichneten ihn die DPG und die Optical Society of America (OSA) für seine „Pionierarbeiten auf den Gebieten der Laserkühlung und Speicherung einzelner Ionen sowie seine grundlegenden Beiträge zu den Prinzipien der Laserspektroskopie und der Atomphysik“ mit dem Herbert-Walther-Preis aus.

Nobelpreisträger Theodor Hänsch trauert: „Mit Peter Toschek verlieren wir einen bewundernswerten Gelehrten und Forscher und einen unvergleichlichen Menschen."

Wir wollen Peter Toschek mit dem folgenden Video gedenken.

(MK)

<span>In diesem Vortrag vom 23. Juni 2015 bewertet er sein Lebenswerk aus persönlicher Sicht. Er hielt diesen Vortrag im Rahmen der Europe and European Quantum Electronics Conference 2015 (CLEO/Europe-EQEC 2015). </span>

Peter Toschek "Warum einzelne kalte Atome wichtig sind?"

In diesem Vortrag vom 23. Juni 2015 bewertet er sein Lebenswerk aus persönlicher Sicht. Er hielt diesen Vortrag im Rahmen der Europe and European Quantum Electronics Conference 2015 (CLEO/Europe-EQEC 2015). 

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