„Seine Vision, chemische Reaktionen mit Lichtpulsen zu steuern, ist heute Realität“
Theodor Hänsch erinnert an Karl-Ludwig Kompa, Gründungsdirektor des Instituts und Pionier der Laserchemie
Am 23. November 2025 verstarb Karl-Ludwig Kompa, einer der Gründungsdirektoren des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik und international angesehener Vorreiter der Laserchemie. Seine Arbeit prägte das internationale Profil des Instituts und schlug eine Brücke zwischen Chemie und Quantenphysik. Direktor Theodor Hänsch, der über zwei Jahrzehnte eng mit Kompa zusammenarbeitete, erinnert an den geschätzten Kollegen und Weggefährten.
Die Nachricht vom Tod von Karl Ludwig Kompa hat mich tief getroffen. Ich hatte Karl Kompa bereits vor der Gründung unseres Instituts kennengelernt; schon damals beeindruckte er mich als international ausgewiesener Experte für chemische Laser, bei denen die Laserenergie nicht elektrisch oder durch optisches Pumpen, sondern durch eine chemische Reaktion bereitgestellt wird.
Gemeinsam mit Siegbert Witkowsky leitete er am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik eine Laser-Projektgruppe, deren Ziel der Aufbau eines großen photochemischen Jodgaslasers für die Kernfusion war. Als sich abzeichnete, dass die Pulsenergie des Asterix-Jodlasers für die Zündung einer Kernfusion nicht ausreichen würde, wurde die Laser-Projektgruppe aus dem Institut ausgegliedert. Mit starker Unterstützung durch Herbert Walther, den damals neuberufenen dritten Gründungsdirektor, entstand daraus 1981 unser Max-Planck-Institut für Quantenoptik.
Als ich 1986 zum vierten Direktor und Leiter der Abteilung Laserspektroskopie am MPQ berufen wurde, war das heutige Institutsgebäude gerade fertiggestellt. In dieser frühen Phase des Instituts lernte ich Karl Kompa, den Leiter der Abteilung Laserchemie, schnell als überaus freundlichen, besonnenen und konstruktiven Kollegen schätzen. Er besaß die seltene Gabe, Konflikte zu entschärfen – oft genügte sein verschmitztes Lächeln, während er in aller Ruhe seine Pfeife stopfte. In seinem Haus durfte ich zudem die herzliche Gastfreundschaft seiner Familie genießen und seine außergewöhnlich hochwertige Stereoanlage bewundern.
Karl Kompa hatte die visionäre Vorstellung, chemische Reaktionen mit maßgeschneiderten kurzen Laserpulsen initiieren und steuern zu können – und so Moleküle zu erzeugen, die auf herkömmlichem Wege nicht synthetisierbar waren. Doch die damals verfügbaren Nanosekundenpulse waren viel länger als die Kohärenzzeiten der meisten Molekülresonanzen; die Bestrahlung mit Laserlicht unterschied sich daher kaum vom Erhitzen mit einem Bunsenbrenner. Heute jedoch stehen uns Pico- und Femtosekundenlaser zur Verfügung, mit denen sich die Vision von Karl Kompa erfüllt. Moleküle treten nun als Vielteilchen-Quantensysteme in ein neues Blickfeld der Quantenphysik.
Mit seinen Arbeiten hat Karl Kompa ein Forschungsfeld geprägt, das eine Brücke zwischen Chemie und Quantenphysik schlägt. Als Professor an der LMU und Direktor am MPQ hat er Generationen von Studierenden und Nachwuchswissenschaftlern begleitet – in München und weit darüber hinaus.
Wir werden ihn in dankbarer und ehrender Erinnerung behalten.

















