Flore Kunst ist erste Preisträgerin der neuen schwedischen "Oseen-Medaille"

Nach der Auszeichnung als „Physikerin der Woche“ der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DFG) im März 2020 folgt nun bereits die zweite Ehrung in diesem Jahr für die talentierte Nachwuchswissenschaftlerin.

Flore Kunst, Postdoktorandin in der Theorie-Gruppe von Ignacio Cirac, wurde diese Woche mit der „Oseen Medal“ der schwedischen physikalischen Gesellschaft ausgezeichnet. Der Preis wird dieses Jahr anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Schwedischen Physikalischen Gesellschaft zum ersten Mal verliehen. Namenspatron der Ehrung ist Carl Wilhelm Oseen. Er war ein bekannter schwedischer theoretischer Physiker und Vorstandsmitglied des Nobel-Komitees. Die Oseen-Medaille wird nun in seinem Namen an die beste Promotionsarbeit in der Physik vergeben. Flore Kunst, die bereits mehrere Auszeichnungen erhielt, ist jetzt auch die erste Trägerin dieses neuen Preises.

Flore Kunst am Max Planck Institut für Quantenoptik

 Den Preis erhält Flore Kunst für ihre im Jahr 2019 an der Stockholm Universität verteidigte Promotionsarbeit im Bereich der Physik der kondensierten Materie. Die Arbeit trägt den Titel „Solvable Topological Boundaries“. Darin entwickelte sie eine exakte Berechnungsmethode für topologische Rand- und Oberflächenzustände in quantenmechanischen Systemen, die bisher nur in einfachen Sonderfällen möglich war. Ihre Methode liefert eine Reihe an neuen Einblicken in topologische Quantenmaterie und fand dafür international viel Beachtung. Langfristig kann ihre Arbeit dazu beitragen, Quantencomputer zu entwickeln oder eine neue Generation von Transistoren zu bauen. Bereits letztes Jahr war sie für diese Arbeit mit dem Sigrid Arrhenius Stipendium der Stockholm University prämiert worden, das einmal jährlich die beste Promotionsarbeit in allen Naturwissenschaften auszeichnet.

„Ich war sehr überrascht, als ich gehört habe, dass ich diesen Preis gewonnen habe. Damit habe ich wirklich überhaupt nicht gerechnet. Ich fühle mich sehr geehrt und gleichzeitig bin ich froh darüber. Ich denke, es ist sehr wichtig zu zeigen, dass es in einem von Männern dominierten Feld auch Frauen gibt, die erfolgreich sind. Den Wert von Rollenmodellen darf man nicht unterschätzen. Obwohl ich von mir selbst nicht als Vorbild sprechen möchte, hoffe ich sehr, dass dieses Signal auch andere Frauen und Mädchen inspirieren kann. Aber auch für mich persönlich ist der Preis wichtig: Er ist eine Belohnung meiner harten Arbeit und eine wunderbare Ermutigung, weiter zu machen“, so Flore Kunst über die Auszeichnung.

 „Heute ist eine gute Zeit, um Physikerin zu sein. Es gibt viele Initiativen, die Positionen von Frauen zu verbessern und ihren Leistungen mehr Anerkennung zu geben. Es ist toll diese Wende selber mitzumachen.“

 

Im März dieses Jahres war Flore Kunst zudem von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft für ihre außerordentlichen Leistungen als Physikerin der Woche ausgezeichnet worden. Damit folgt nun bereits der zweite Preis, den die Nachwuchswissenschaftlerin allein in diesem Jahr erhält.

Was sie an der Quantenphysik so sehr begeistert, darüber räsonierte sie kürzlich anlässlich des diesjährigen 60sten Geburtstags des Lasers mit ihrem jetzigen Mentor und Direktor der Theorie-Abteilung Ignacio Cirac in einem spannenden Zweigespräch für den MPQ-Instagram Kanal. Das Video ist weiterhin unter folgendem Link einsehbar: https://www.instagram.com/tv/CANucQVqzJ2/?utm_source=ig_web_copy_link

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